5 Weihnachtsbräuche in Europa

Alle Jahre wieder… kommt der 1. Dezember und mit ihm der offizielle Beginn der Vorweihnachtszeit. Der ist bei uns im deutschen Sprachraum von vielen Traditionen geprägt: Allen voran der obligatorische Adventskalender und der Adventkranz. Während die einen der Versuchung von Lebkuchen und Spekulatius, die schon seit September in den Regalen der Supermärkte auf uns warten, nicht widerstehen können, heißt es für die anderen nun: Startschuss zum Backen! Da darf der Christstollen natürlich nicht fehlen. Hier scheiden sich die Geister der perfekten Zubereitung je nach Region. Genauso wie am Heiligabend die Diskussion über das perfekte Weihnachts-Menü einfach dazu gehört: Kartoffelsalat und Würstchen oder üppig mit Wild, Klößen und Co.? Aber ganz gleich, wie sehr wir uns auch über das Essen streiten mögen, in einem Punkt sind wir uns einig: Weihnachten ist bei den meisten das Fest der Familie. Und so sind ab dem 21. Dezember die Autobahnen gezeichnet von Menschen, die sich auf den Weg zur Familie machen, um am 24. gemeinsam die Geschenke unter den Baum zu legen.

Aber wie wird eigentlich in anderen Ländern Weihnachten gefeiert? Wir haben uns mal schlau gemacht und fünf Länder herausgepickt.

 

Frankreich

Ein Meer aus bunten Lichtern durchflutet die Strassen, durch die Krippenumzüge ziehen. In Paris findet man die größte Krippe der Welt in einem eigens dafür aufgebauten Zelt.
Aber wie man sich denken kann, steht gutes Essen für die Franzosen ganz oben an: Das traditionelle Festtagsgericht ist die „Dinde aux marons“, ein mit Maronen garnierter Truthahn oder „Reveillon“, ein Festmahl aus Austern, Pasteten, Truthahn und Champagner, dazu gezuckerte Maronen.
Nach dem Festmahl steht die Weihnachtsmesse, die „Messe de Minuit“, also die Mitternachtsmesse – ebenso vielerorts bei uns – an.
Die Bescherung findet, auch ähnlich wie bei uns, entweder vor oder nach der Messe – oder am folgenden Morgen statt.
Früher brachte „Saint Nicolas“ seine Geschenke am 6. Dezember – heute bringt Pere Noel, der französische Weihnachtsmann in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember den Kindern die Geschenke, indem er durch den Schornstein kommt und seine Gaben in die bereitgestellten Schuhe legt.

Italien

In Italien ist Weihnachten natürlich ein riesiges Familienfest, das mit einem mehrgängigen Essen mit Lamm und Truthahn gefeiert wird.
Und wie es sich für die temperamentvollen Italiener gehört, ist die Frage, ob ein Tannenbaum oder eine Krippe ins Haus gehören, mit Diskussionen besetzt: Krippenbesitzer und Tannenbaumfans sind in zwei Lager gespalten und streiten sich fortwährend, was wirklich dazu gehört.
In Sizilien gibt es noch einen anderen Brauch: Hier wird einmal in der Woche beim Weihnachtspokern die Familie an einen Tisch geladen.
Die Geschenke für die Kinder gibt es am 6. Januar, dem Dreikönigstag. Dann kommt die Hexe „Befana“, die auf der Suche nach dem Jesuskind, durch den Kamin in jedes Haus kommt und ein Geschenk in den bereit stehenden Schuhen platziert.

 

Schweden

Wer bei Weihnachten in Schweden an Bullerbü denkt, liegt gar nicht mal so verkehrt:  Im Norden wird Weihnachten sehr ausführlich und traditionsreich begangen, schließlich ist Weihnachten das wichtigste Fest des Jahres. Mit dem 1.Advent und dem Beginn der Vorweihnachtszeit dreht sich alles um diese Besondere Zeit. Jetzt findet man überall den „Julbock“, ein aus Stroh gefertigter Ziegenbock – das Symbol für Weihnachten schlechthin.
Der Höhepunkt der vorweihnachtlichen Zeit ist das Lucia-Fest am 13. Dezember. Es steht in der Tradition der Sonnenwendefeierlichkeiten und als jahrhundertealter Brauch ein sehr wichtiges Fest, das überall mit Umzügen geehrt wird. Angeführt werden die Umzüge von der Lucia-Braut im weißen Gewand und einem Lichterkranz auf dem Kopf.
Der obligatorische Tannenbaum wird am 23., allerdings ohne Kinder, geschmückt. Am 24. besucht man zunächst Freunde und Nachbarn. Das Weihnachtsessen, „Julbord“, beginnt erst, nachdem gemeinsam Donald Duck geguckt wurde. Dann gibt es vor allem Fisch und Fleisch. Köttbullar darf natürlich nicht fehlen.
Auch die Bescherung ist mit einer Tradition belegt: Das Tanzen um den Weihnachtsbaum. Deshalb steht er in Schweden auch immer mitten im Raum. Erst nach dem Tanz dürfen die Geschenke, die von den Kobolden Tomte, Tomtebisse und Nisse gebracht wurden, geöffnet werden. Die bekommen dann einen Milchbrei, der draußen vor der Tür für sie bereit steht.

Polen

In Polen steht Weihnachten ganz unter dem Zeichen der Gastfreundschaft und Nächstenliebe. Dabei steht der dort wichtige christliche Glaube im Zentrum der Traditionen. So wird an Heiligabend bis Mitternacht gefastet. Das Weihnachtsfest beginnt mit dem Brechen der Backoblate, die meist mit einem Bild bedruckt ist und an jedes Familienmitglied als Zeichen der Liebe und des Zusammenhalts gereicht wird. Es ist ein alter Aberglaube, dass die Tiere an Heiligabend sprechen können und deshalb bekommen in vielen Familien auch die Tiere als familienzugehörig ein Stück von der Oblate.
Am Esstisch findet man immer ein Gedeck zuviel – damit man unerwartete Gäste bewirten kann. Wichtig ist außerdem die Kerze in der Mitte des Tisches, die vor Armut schützen soll. Unter dem Tisch steht ein Strohballen, der an die Geburt Jesu erinnern soll und von dem jedes Familienmitglied einen Halm zieht: Dessen Strohhalm am längsten ist, der wird auch am längsten leben.
Bei vielen Familien gehören zwölf Gerichte zur Erinnerung an die zwölf Aposteln zum Festmahl, auf Fleisch und Alkohol wird wegen des Fastens verzichtet. Typische Weihnachtsgerichte sind Karpfen, Borschtsch, Uszka, also frittierte Teigtaschen mit Pilzfüllung, Krautgerichte und zum Dessert Mohnkuchen.
Die Geschenke bringt der Sternenmann und nicht der Weihnachtsmann, von seinem Sternenjungen begleitet. Der Sternenmann prüft wie bei uns, ob die Kinder artig waren und verteilt im Anschluss die Geschenke. Danach geht man gemeinsam in die Kirche zur Mitternachtsmesse, um Heiligabend ausklingen zu lassen.

Großbritannien

Weihnachten ist Großbritaniens beliebtester Feiertag. Auch hier blickt man auf eine lange Tradition zurück, die bis in die Zeremonien der heidnischen Überzeugungen zurückreichen: Der Mistelzweig entspringt dem Brauch der Druiden. Seine roten Beeren sollten vor Hexerei beschützen, Efeu dagegen symbolisierte Unsterblichkeit. Die heutige Weihnachtskerze entspringt dem Brauch des „Yule log“, dem Weihnachtsscheit, der zu Ehren von Gott Thor brannte.
Auch die obligatorischen Weihnachtskarten, die wir gerne an Freunde und Familie verschicken, stammen aus Großbritanien. Die erste Karte entwarf John Calcott Horsley 1843 für Sir Henry Cole. Der Versand von Weihnachtskarten verbreitete sich schnell und erreichte auch bald Deutschland.
Seit 1840 hat der geschmückte und beleuchtete Weihnachtsbaum in Großbritannien Bedeutung und wurde von Prinz Albert in Deutschland eingeführt. Der riesige Weihnachtsbaum am Trafalgar Square steht als Symbol für die englisch-norwegische Zusammenarbeit während des 2. Weltkrieges.
An Heiligabend ziehen Gesangsgruppen von Haus zu Haus, Kinder hängen ihre Weihnachtssocke an den Kamin oder an das Fußende ihres Bettes für die Geschenke.
Der Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages gehört den Geschenken. Beim späteren traditionellen Weihnachtsmahl mit Rosenkohl, Bratkartoffeln, gebratenem Truthahn, Roastbeef oder Gans kommt die Familie zusammen. Der Mince Pie oder Christmas Pudding (Plumpudding) darf als Abschluss des Weihnachtsessens nicht fehlen, denn hier versteckt man gerne Münzen oder Glücksbringer für die Kinder. Die beliebten „Christmas crackers“ (Weihnachtsknallbonbons) findet jeder Gast neben seinem Gedeck. Zum Nachmittagstee wird der Christmas Cake, ein Früchtekuchen mit Marzipan, serviert.
König Georg rief 1932 den Brauch der alljährlichen Weihnachtsbotschaft der Königin ins Leben: Dieser wird am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertags ausgestrahlt.

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Beitrag teilen: