„Da steht Ihnen die ganze Welt offen“ – Ausbildung im Hotel am Brühl

Hoteldirektor Jens Träger liegt die Nachwuchsförderung ganz besonders am Herzen. In Zusammenarbeit mit Schulen und Verbänden begeistert er junge Menschen für den Berufseinstieg in der Hotellerie. Im Interview erzählt er uns, was Bewerber heute mitbringen müssen. Und was ihn selbst jeden Tag aufs neue an seinem Arbeitsumfeld begeistert.

Herr Träger, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview nehmen. Wir freuen uns, wenn Sie sich kurz vorstellen und uns von Ihrer Arbeit im Romantik Hotel am Brühl erzählen.

Seit Oktober 2008 bin ich als Hoteldirektor im Romantik Hotel am Brühl tätig.

Ich kümmere mich um administrative Tätigkeiten. In einem Hotel gibt es viele Aufgaben, die im Hintergrund erledigt werden wollen. Bestellungen, Korrespondenzen, Verträge, die Buchhaltung und die Kommunikation mit unserem Steuerbüro sowie die Einhaltung der behördlichen Auflagen bezüglich Brandschutz und Sicherheit. Das klingt erst mal etwas trocken. In meinem Job geht es aber vor allem um Kommunikation.

Als Hoteldirektor bin ich das Bindeglied zwischen Mitarbeitern, Abteilungsleitern und der Inhaberfamilie. In unseren wöchentlichen Meetings sprechen wir über alles, was im Hotel aktuell anfällt. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitung und Mitarbeitern entsteht eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Anders als in großen Hotelketten geht es in diesem familiengeführten Hotel nicht nur um Zahlen – auch das Menschliche kommt nicht zu kurz.

Jens Träger führt interessierte Jugendliche durch das Hotel. (Foto: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Fotografin: Juliana Thiemer)

Jens Träger führt interessierte Jugendliche durch das Hotel.

Welche Ausbildungsberufe kann man im Hotel am Brühl erlernen?

Aktuell kann man bei uns die Ausbildungsgänge Koch/Köchin, Hotelfachfrau/-mann und Restaurantfachfrau/-mann absolvieren. Wir sind sehr offen für Praktika, selbst wenn die Lernenden ein anderes Berufsziel anstreben. So hatten wir beispielsweise eine Praktikantin, die Tourismusmanagement studierte und durch ihr Praktikum in unserem Haus spannende Einblicke bekam. Bei uns können Interessierte den Alltag in einem 4-Sterne-Hotel kennenlernen und schauen, ob dieses Berufsfeld zu ihnen passt.

Welchen Schulabschluss und besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten müssen interessierte Bewerber mitbringen, um im Hotelgewerbe eine Ausbildung zu beginnen?

Die Bewerber sollten die mittlere Reife erreicht haben, die Lehre dauert 3 Jahre. Bewerben kann man sich schon nach der 9. Klasse, damit man zum Abschluss des 10. Schuljahres direkt im August die Ausbildung beginnen kann.

Für mich sind die Einstellung zur Arbeit und die Freude am Umgang mit den Gästen entscheidend. Natürlich ist ein sehr guter Notendurchschnitt eine tolle Sache, doch Zensuren sind eben nicht alles. Wenn ich merke, dass die Leidenschaft und der Wille da sind, die Ausbildung erfolgreich zu meistern und jemand gut mit Menschen umgehen kann, ist das viel wichtiger.

Wie zeigt man denn am besten, dass man mit dem Herzen bei der Sache ist? Haben Sie noch einen besonderen Tipp für die zukünftigen Lehrlinge?

Wer sich bei uns bewerben möchte, sollte in der Schule Projekttage und Praktika im Hotel oder einem verwandten Bereich absolvieren. Das macht direkt einen guten Eindruck. Man lernt das Umfeld kennen und kann sich langsam auf den Berufseinstieg vorbereiten. Wenn man dann die Lehre beginnt, ist man schon fitter als die Mitbewerber.

Es ist außerdem hilfreich, sich zu fragen, wie man selbst als Gast behandelt werden möchte und so auf die Menschen zuzugehen. Man muss kein Diener sein, aber Spaß daran haben, anderen Menschen mit der Arbeit eine Freude zu bereiten. Das liegt wohl in den Genen. Wer lernen möchte, dem bringen wir alles andere bei.

Was unterscheidet diese Generation der Auszubildenden von ihren Vorgängern? Und wie begegnen Sie diesen Veränderungen?

Durch den demografischen Wandel gibt es weniger Schulabgänger und damit weniger junge Menschen, die sich um einen Ausbildungsplatz bewerben. Das macht sich natürlich auch bei uns bemerkbar.

Da es ein größeres Angebot an Ausbildungsplätzen gibt, stellen die Jugendlichen höhere Ansprüche an die zukünftige Stelle. Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr können wir natürlich nicht bieten. In Hotels und Restaurants wird gearbeitet, wenn andere feiern.

Der Umbruch von der Schule zur Lehre ist sehr groß, der Leistungsdruck wächst. Um unseren Azubis den Übergang zu erleichtern, besprechen wir gerne gemeinsam mit den Eltern, was auf die Jugendlichen zukommt.

Damit die Interessenten unsere Ausbildungsberufe schon frühzeitig kennenlernen können, kooperieren wir mit Schulen und Verbänden, wie z.B. dem DeHoGa Kreisverband Harz. Jugendliche können unsere Arbeit beim jährlich stattfindenden „Tag der Berufe“ kennenlernen. Neulich gab es in unserem Hotel einen Schnuppertag für Schüler, die eigenverantwortlich die Cafeteria oder den Kiosk ihrer Schule betreuen.

Schülertag im Romantik Hotel am Brühl in Quedlinburg von Romantik Hotel am Brühl auf Vimeo.

Hat sich die Ausbildung in Hotel und Gastronomie in den letzten Jahren verändert? Spielt zum Beispiel die wachsende Digitalisierung eine Rolle?

Die Digitalisierung spielt für den Ausbildungsgang an sich eine untergeordnete Rolle. Durch die Rolle des Internets im Alltag und die damit einhergehende Vergleichbarkeit der Angebote wird jedoch eine steigende Erwartungshaltung der Gäste spürbar. Die Menschen möchten immer mehr Leistung für immer weniger Geld. Das stellt natürlich eine Herausforderung da. Mit einem guten Team kann man diese Herausforderung jedoch meistern. Die Gäste merken, dass wir den Servicegedanken im Herzen tragen.

Die Ausbildungen in Hotel und Restaurant erfordern Flexibilität und Belastbarkeit. Wie kann man junge Menschen auf der Suche nach einem Berufsziel motivieren? Was motiviert Sie jeden Tag und was lieben Sie besonders an Ihrem Beruf?

Kein Tag ist wie der andere. Täglich trifft man auf neue Menschen mit unterschiedlichen Wünschen und Ansprüchen. Das ist immer wieder eine spannende Aufgabe. Wenn die Gäste einem am Tag der Abreise mitteilen, dass sie sich wohl gefühlt haben und unser Hotel gerne weiterempfehlen, freue ich mich sehr. Solche Momente motivieren mich.

Die Atmosphäre unseres Hotels trägt ebenfalls dazu bei, dass ich hier gerne arbeite. Die Inhaberin Frau Wiese und ihre Mutter, Frau Schmidt, haben das Hotel geschmackvoll eingerichtet und alles perfekt aufeinander abgestimmt. Beide haben ein Händchen für Farben und besondere Kleinigkeiten. Nicht selten hören unsere Mitarbeiter ein Lob für die Einrichtung.

Was macht das Hotel am Brühl als Ausbildungsstätte besonders?

Unser Hotel ist als das beste Haus im Ort anerkannt. Durch unsere engagierte Öffentlichkeitsarbeit können wir unsere Herzlichkeit und die Liebe zur Region nach Außen tragen. Die Jugendlichen kommen bei uns in ein familiär gefühltes und geführtes Unternehmen.

Mit einer Ausbildung in einem 4-Sterne Romantik Hotel hat man weltweit viele Möglichkeiten. Unsere Absolventen werden in anderen Romantik Hotels gut angenommen. Diese gibt es nicht nur bundesweit, sondern auch in Österreich, der Schweiz oder Holland. Die Ausbildung hierzulande hat einen guten Ruf. Auf großen Kreuzfahrtschiffen beispielsweise hört man häufig, dass die Direktoren oder Restaurantleiter in Deutschland ausgebildet wurden. Wer bei uns lernt, dem steht die ganze Welt offen.

Die im Beitrag gezeigten Bilder wurden uns freundlicherweise von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung zur Verfügung gestellt, Fotografin: Juliana Thiemer.

Weiterführende Links:

Informationen zur Ausbildung im Romantik Hotel am Brühl

Mitelldeutsche Zeitung zum Tag der Berufe 2015

Imagefilm von Gründerkids

Deutschlandfunk-Beitrag zum Thema Schülerfirmen

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