Der Garten – Kurzurlaub für die Seele

In Zeiten, die unter dem Zeichen schwankender Veränderungen, Unsicherheit und Hektik stehen, sehnen wir uns nach einem Ort, der uns das Gefühl von Sicherheit, Ruhe und Beständigkeit vermittelt. Einem Ort, an dem wir uns geborgen fühlen, wieder zu uns finden und uns im Einklang sehen. Der Garten ist ein solcher Ort: sattes Grün, Düfte, Ruhe und vor allem die Sichtbarkeit unserer eigenen Arbeit, das wohlige Gefühl, am Ende des Tages etwas geschafft zu haben und im wahrsten Sinne des Wortes, zu ernten, was man sät – all das sind Aspekte, die den Garten für uns zu einem so wichtigen Ort machen. Ein chinesisches Sprichwort besagt:

„Willst du ein Leben lang glücklich sein, so schaffe dir einen Garten.“

Angesichts neuer Studien verwundert das nicht, denn die grüne Oase bringt soviel positives:

Wenn unsere Seele rot sieht, sollten wir ihr grün schenken. Grün ist die Farbe der Natur. Sie beruhigt, wirkt harmonisierend, steht für Sicherheit und Hoffnung. Allein die Farbe lässt Glückshormone sprießen.
Natur ergreift unsere Sinne auf positive Weise: Der glitzernde Regentropfen auf der Rose, der Duft des Lavendels, die kleinen, zarten Pflänzchen, die wir gesät haben und sich ihren Weg durch die dunkle, feuchte Erde bahnen – all das ist Balsam für unsere Seele. Wahre Glücksmomente, aus denen wir Kraft schöpfen können.

Apropos Kraft schöpfen: Die körperliche Arbeit ist ein wunderbarer Ausgleich für unsere doch meist sitzenden Tätigkeiten. In einer Gesellschaft, die vor allem Wissen produziert wird und die Berufe, bei denen man am Ende des Tages ein sichtbares Stück vollbrachter Arbeit in der Hand hält, immer rarer gesäht sind, bekommen produktive Formen der Freizeitgestaltung einen ganz neuen Stellenwert. Fast überflüssig zu sagen, dass gerade die Gartenarbeit unsere Arbeit sichtbar werden lässt. Und dennoch: Wer einmal einen Salat aus selbst gezogenem Blattwerk, Tomaten und Gurken zubereitet hat, weiß, wie Glück schmeckt. Gartenarbeit vermittelt Stolz und Zufriedenheit – sie ist mehr als Muße, sie ist wortwörtlich Sinn – weil wir sehen, riechen, schmecken und fühlen, was wir da tun.

Dass die körperliche Tätigkeit sich nicht nur auf unser Gemüt, sondern auch auf unsere körperliche Fitness auswirkt, ist daher nur logische Konsequenz: Schon 20 Minuten Hacken, Jäten, Mähen und Pflanzen senken den Blutdruck, wirken sich also positiv auf unser Herz-Kreislauf-System aus und reduzieren Stress merklich. Auch Muskelverspannungen können sich lösen, weil wir uns entspannen.

Und: Wir können uns endlich mal wieder über Basales Austauschen, uns Tipps von anderen Gärtnern holen, beim kurzen Plausch an der Hecke mit dem Nachbarn über profanes reden, uns gegenseitig helfen und – lachen. Und wenn es über uns selber ist, weil wir als Garten-Neulinge den Vögeln die Johannisbeeren überlassen haben, anstatt an eine Abdeckung zu denken.

Gartenarbeit ist wie ein Kurzurlaub. Ein Rückzugsort, an dem die Welt in Ordnung ist. Ein Ort, der uns etwas zurückgibt und uns so das Gefühl gibt, im Hier und Jetzt zu sein.

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