Ein erholsamer Urlaub – worauf es wirklich ankommt

Das Thema Urlaub wird in der heutigen schnelllebigen Zeit oft ambivalent betrachtet:  Zwar sehnen wir uns immer mehr nach Urlaub, aber uns regelmäßige Auszeiten tatsächlich auch zu nehmen – das steht noch auf einem ganz anderen Blatt. Das betrifft längst nicht mehr nur Selbstständige, die ja bekanntlich auch ohne Urlaub auskommen, sondern auch immer mehr Menschen im Angestellten-Verhältnis. In Zeiten, in denen alles immer unsicherer wird, möchte man den Arbeitsplatz umso stärker halten und dementsprechend groß ist die Angst, einige Zeit nicht vor Ort zu sein.

Aber wie lang sollte ein Urlaub eigentlich sein, um frisch und erholt wieder zu kommen? Eine Frage, um die sich viele Mythen ranken und die in Diskussionen im Büro noch verfestigt werden. Drei Wochen sagen die einen, zwei die anderen – nur eine Woche, da ist man sich meist einig, reiche nicht.

Laut der amerikanischen Forscherin Jessica de Bloom, die eine Studie zu dieser Frage durchgeführt hat, ist weniger die Länge des Urlaubs entscheidend für den Grad der Erholung: So haben Forscher ein Glücksmuster entdeckt, das im Urlaub vorherrscht. Die Zufriedenheit erreicht ihren Höhepunkt demnach in der Mitte eines Urlaubs. Und das unabhängig davon, ob der Urlaub drei Wochen oder vier Tage dauert.

„Die Menschen brauchen etwas Zeit, um sich von einer arbeitsreichen Zeit zu erholen“, sagt de Bloom.

Gegen Ende des Urlaubs nimmt das Wohlbefinden wieder ein bisschen ab: Man beginnt, sich auf ungelesene E-Mails vorzubereiten, an die täglichen Routinen und das frühe Aufstehen.

Unabhängig davon, wie lange ein Urlaub dauert, hat die Forschung gezeigt, dass Urlaub unerlässlich ist, um gesund zu bleiben:  Wer sich keine Auszeit gönnt und einem Dauerstress aussetzt, ist folglich auch anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Und auch die psychische Gesundheit spielt hier hinein: In unserer leistungsorientierten Gesellschaft sind Burn-Out, Angsterkrankungen und Depressionen keine Seltenheit mehr. Urlaubszeit wirkt zum einen präventiv, zum anderen auch als „Medizin“ und Freizeit kann dazu beitragen, unsere Angstzustände zu reduzieren, indem wir eine Pause vom Alltagsstress nehmen.

„Eine der Schlussfolgerungen meiner Forschung ist, dass Sie regelmäßig eine Auszeit planen sollten“, so de Bloom.

Unterdessen sagen Forscher, dass ein Faktor bei der Urlaubsplanung besonders heraussticht: ein Gefühl der Kontrolle zu spüren.

„Kontrolle über die eigene Zeit ist immens wichtig“, sagte Scott McCabe, Professor an der Nottingham University Business School, der Tourismus und Urlaub erforscht.

In unserem Arbeitsalltag ist unsere Autonomie oft eingeschränkt: Das schlägt sich dann darin nieder, dass wir uns wie „in einem Hamsterrad“ fühlen. Ferien können helfen, unser Gefühl für Autonomie wieder zu finden. De Bloom führt diesen Punkt weiter aus:

„Es ist wichtig, dass wir das Gefühl haben, die Kontrolle zu haben und entscheiden zu können, welche Art von Aktivitäten wir nachgehen wollen.“

Neben der Erholung bewirken der Ortswechsel und das Aufbrechen der Alltgasroutine auch wahre Wunder für unsere Kreativität.

Für den einen bedeutet das vielleicht der Tiefwasser-Tauchgang  oder die neunstündige Wanderung. Es kann aber auch einfach bedeuten, im Park zu liegen, einen Roman zu lesen und die Seele baumeln zu lasssen. Das ist völlig individuell.

Urlaub sei laut Forschern auch wichtig für Familienbindungen: Oft haben Familien zwischen Karriere, Kita und engen Zeitplänen wenig Zeit miteinander, deshalb sind Urlaubszeiten umso wichtiger.

Eine Auszeit von der Arbeit kann sogar oft bei der Arbeit selbst helfen. Zum einen steigert die Erholung die Produktivität, zum anderen finden wir unsere Kreativität wieder, die in den Routinen oft verloren geht.

„Du kannst dir eine Idee ausdenken oder einen Weg finden, um eine Sackgasse zu überwinden, die dich überrascht hat“, so Jonathan Schooler, Professor und leitender Forscher des META Lab an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara.

Urlaub als Zeit der Erholung ist also nicht nur wichtig, um die eigenen Akkus wieder aufzuladen, er kann sich auch positiv auf das Familienleben auswirken. Nach dem Urlaub sind wir einfach produktiver und kreativer und deshalb sollten wir uns die Auszeit, die uns zusteht auch nehmen. Ohne schlechtes Gewissen.

 

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Beitrag teilen: