Erinnerung – Teil unserer Identität

Zur Zeit sieht man sie wieder überall: Die Pusteblume. Und wie sie da so am Wegesrand stehen, kommt unvermeidlich der Drang in uns hoch, ihre feinen Samen in den Wind zu pusten. Wie kleine flaumige Fallschirme werden sie vom Wind getragen, um irgendwo zu landen und dort zu etwas Neuem zu werden.
Die Pusteblume – eine Metapher für Erinnerungen, die uns sofort wieder Kind werden lassen. Vorausgesetzt, wir nehmen uns die Zeit dafür, einen Moment inne zu halten, die zarten Gewächse vom Wegesrand zu pflücken und die kleinen Fallschirme segeln zu lassen.

In der Tat sollten wir das ruhig tun, denn Erinnerungen sind für uns so wichtig wie die Luft zum Atmen. Dabei ist der psychische Vorgang des Erinnerns eine komplexe Angelegenheit: Fast alles spezifisch Menschliche spiegelt sich im Erinnern wieder – unsere Emotionen, unser Bewusstsein, Geist, Verstand und – ja, auch immer ein Stück Poesie. Es ist also nicht verwunderlich, dass im Moment des Erinnerns eine Kraft innewohnt, die uns zum einen viel gibt, aber manchmal auch verwirrt, ja, sogar ängstigt.
Erinnern ist allgegenwärtig. Manchmal kommt eine Erinnerung plötzlich und unvermittelt. Wir sagen dann, dass sie uns einholt und meinen damit, dass sie uns im Alltagsablauf unterbricht. Oft empfinden wir das als störend, weil die mit der Erinnerung verbundenen Gefühle uns kurzzeitig aus der Bahn werfen. Dabei können wir viel Positives aus dieser kurzen Unterbrechung ziehen:
Wir können neue Erkenntnisse gewinnen, weil die Unterbrechung uns die Chance gibt, den gedanklichen Kurs zu wechseln. Hieraus erwächst Kreativität und das bringt uns zu neuen Lösungen für alte Probleme.
Aus Erinnerungen können wir vergessene Wünsche neu aufleben lassen und festgefahrenen Strukturen in unserem Leben aufbrechen, indem wir uns an das erinnern, was uns glücklich macht.

Weil das ganze Leben aus Erinnern besteht, ist unsere eigene Identität ohne sie nicht möglich. Erinnerungen gehören zu unserem Ich. Dementsprechend können wir aus ihnen viel über uns lernen und daraus Kraft schöpfen oder bei wichtigen Entscheidungen zu Rate ziehen.
Uns bewusst zu erinnern, hilft uns, zu uns selbst zu finden. Besonders in turbulenten Lebensphasen kann das eine heilsame Erfahrung sein.

Am besten gelingt uns das in Zeiten der Ruhe – denn zum Erinnern benötigen wir freie Kapazitäten. Bei Spaziergängen, Wanderungen, Fahrradtouren. Die Natur ist ein guter Ratgeber für bewusstes Erinnern. Aber auch Familie und Freunde geben uns einen Rahmen für die Dinge der Vergangenheit: Wenn wir Fotos zusammen anschauen, uns gemeinsame Erlebnisse in die Gegenwart zurückholen, gibt uns das ein Gefühl von Zugehörigkeit und Identität. In der gemeinsamen Erinnerung liegt eine besondere Kraft, die für uns von großer Bedeutung ist, weil wir uns erkennen.

Gerüche sind besonders gute Erinnerungs-Konservierer und -Freisetzer. Ebenso wie bestimmte Gerichte. Oder die Kombination. Der Duft von Vanillepudding, frisch gemähten Gras – oder der Sonntagsbraten lassen uns in die Küche der Oma reisen und rufen Bilder von Sommer auf dem Land hervor.

Erinnerungen geben uns Hinweise. Sie helfen uns zu verstehen, zu dem zu finden, was wir sind. Kurz: Anzukommen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine gute Zeit,

 

Ihr Hotel-Team

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