Grillen: Tradition und Lebensfreude

Nirgendwo sonst treffen so unterschiedliche kulturelle Einflüsse aufeinander wie beim Grillen. Oder genauer: Beim deutschen Grillen.
Allein in den Anfängen der mittlerweile deutschen Tradition liegt die kulturelle Vielfalt begründet: In den fünfziger Jahren, zu der Zeit, als die ersten Pizzerien einen Flair von südeuropäischer Unbeschwertheit mit sich brachten und man den Italien-Urlaub auf diese Weise noch ein wenig verlängern konnte, wurde fast alles kulinarisches, was nicht-deutsch war, willkommen geheißen. Die Schärfe aus Ungarn, la dolce vita aus Italien. Und das Grillen gab den deutschen das Gefühl von exotischer Kulinarik, einem Hauch Abenteuer und das Gefühl von Freiheit.
So richtig populär und zum Massenphänomen wurde das Garen unterm freien Himmel allerdings erst in den 1970er Jahren. In der Küche waren elektrische Geräte waren in Gang und Gäbe, Kochen und Essen wurden mehr und mehr versachlicht und der schnelllebigen Zeit untergeordnet. Ihnen fehlte das Besondere, die Lust. Diese neue Lust am Essen fanden die deutschen dann im Grillen. Es passte zu der Lust am Neuen und der aufkommenden Freizeitgesellschaft. Ob im eigenen Garten, auf dem Campingplatz oder beim Picknick – zunächst blieb das Grillen ein Happening unter bekannten Gesichtern und im eigenen Terrain.
Das änderte sich mit der zunehmenden Globalisierung und Digitalisierung: In den 1990er und besonders Anfang 2000 begannen vor allem Jüngere, auf öffentlichen Plätzen zu Grillen. Parks wurden zum beliebten Grillplatz, der gleichzeitig eine temporäre Aneignung und Öffnung erfuhr: Man blieb nicht mehr so sehr unter sich wie zu Beginn des Grill-Trends in der 70er Jahren. Die Globalisierung nahm eben auch Einfluss auf unser Grillverhalten.

Seit einigen Jahren erfährt das Grillen eine ganz neue Dimension: Weg von studentischen Park-Abenden bekam es durch Sterneköche einen neuen Anstrich und hat sein Image komplett gewandelt. Fast könnte man sagen, das Grillen ist erwachsen geworden. Was bleibt, ist die Lust am Fleisch. Noch immer ist Fleisch unser liebstes Grillgut. Fleisch als Form der Entgrenzung, nennen das Kulturwissenschaftler: In unserer optimierten Leistungsgesellschaft ist kaum noch Platz, um auszubrechen. Ein Grund, warum wir an Festen wie Weihnachten – oder eben beim Grillen – gerne einmal über die Strenge schlagen. Und dazu gehört für viele der Fleischgenuss. Hinzu kommt, dass gegrilltes Fleisch den meisten Menschen einfach besser schmeckt.
Neben der Konstante Fleisch gibt es aber noch eine Eigenart des Grillens, die über die Jahrzehnte gleich geblieben ist: Grillen ist eine Männerdomäne. Aber warum ist das eigentlich so?
„Weil das Grillen auch eine Insel ist, auf der wir uns von den aktuellen Geschlechterrollen lösen können. Die sind ja auf völlige Gleichheit konditioniert. Beim Grillen dagegen kann der Mann noch Mann sein und sein stereotypes Rollenverhalten ausleben“, sagt Kulturwissenschaftler Gunter Hirschfelder. – Quelle: http://www.rundschau-online.de/1385830
Und dennoch: Auch hier scheint sich das kulturelle Bild langsam aufzubrechen, denn immer mehr Frauen stellen sich ebenso gerne an den Grill.

Draussen zusammen sein, die unterschiedlichsten Geschmacksvariationen ausprobieren und den Sommer geniessen – was in den 50er Jahren als Hype begann, ist heute zur Tradition geworden. Kein Sommer ohne Angrillen und erst recht keine WM ohne heiße Glut. Dabei wird das Garen über dem Feuer immer wieder neu erfunden und ist längst zur eigenen Disziplin geworden. Aber bei allen Diskussionen und bei allem Fachsimpeln über die richtige Grillweise, die optimale Temperatur und die beste Zubereitung des Grillguts – am Ende geht es uns doch vor allem um eins: Um das Zusammensein, gemeinsam Lachen, Spaß haben und den Sommer geniessen.

Und was lieben Sie am Grillen besonders? Wir freuen uns über Ihre Kommentare und Anregungen zu diesem spannenden Thema!

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