Nostalgie – Balsam für unsere Seele

Woran denken wir, wenn wir das Stichwort „Harz“ hören? An grüne Wälder, unberührte Natur und spektakuläre Aussichten? Sicher. Aber auch an niedliche, irgendwie in der Zeit stehengebliebene Dörfer, Fachwerk-Häuser, die Harzer Schmalspurbahn und geschichtsträchtige Bauten. Dass dem Harz eine gehörige Portion Nostalgie innewohnt, ist nicht zu leugnen. Vielleicht ein Grund, warum der Harz so beliebt ist – er verkörpert Nostalgie wie kaum eine andere Region in Deutschland. Die Kombination aus Bewahrung von Natur und menschlicher Vergangenheit lässt uns eintauchen in eine andere Welt. Eine Welt, in der die Gegenwart, unsere eigene, individuelle Färbung der Gegenwart konfrontiert wird mit der Vergangenheit und ein merkwürdiges Gefühlsgeflecht in uns auslöst. Nostalgie. Aber was genau ist das eigentlich, Nostalgie?

 

Ist es ein „Hinterhertrauern“, der guten alten Zeit, in der „alles besser“ war? Oder steckt mehr dahinter? Weil uns das Thema selbst persönlich sehr berührt, sind wir dem Ganzen genauer nachgegangen – und soviel schon mal vorab: Unsere Tendenz, sich an das Schöne und Gute vergangener Zeiten zu erinnern, ist überaus menschlich und sogar notwendig. Es ist uns sozusagen angeboren – und das natürlich nicht ohne Grund …

Aber zurück zu der Frage, was ist Nostalgie ist: Ist es die Sehnsucht nach Etwas, was nicht mehr da, also nicht mehr erreichbar ist? Ja, Nostalgie ist der Sehnsucht sehr ähnlich – allerdings ist sie als ein Schwelgen in der Vergangenheit eher rückwärtsgerichtet, während Sehnsucht sich auf etwas bezieht, was zwar in der Ferne liegt, aber erreicht werden kann. Wie zum Beispiel die Sehnsucht nach dem Partner, wenn man frisch verliebt ist.
Nostalgische Gefühle haben daher immer eine sentimentale Note – sie sind emotional, intensiv und lebhaft. Nostalgie kann also beschrieben werden, als eine lebhafte, sentimentale Sehnsucht nach Personen, Ereignissen, Orten oder Gegenständen aus der Vergangenheit.
Dabei sind laut Wissenschaft die typischen Merkmale nostalgischer Erinnerungen positiv, biografisch und beziehungsorientiert. „Offenbar stellt die Nostalgie eine spezifische Form der autobiografischen Erinnerung dar“, schreibt Jochen Gebauer, Mitglied im Team der Nostalgieforscher an der Southampton University. Nostalgie stellt uns selbst in den Mittelpunkt – auf eine positive Weise, denn diese autobiographische und positive Erinnerung hilft laut Forschung gegen schlechte Stimmung. So fanden die Forscher in Untersuchungen heraus, dass nostalgische Erinnerungen sich auch in der Konfrontation mit negativen Dingen diese weniger an uns heran lässt. Nostalgie ist sozusagen ein „Schutzmantel für unsere Stimmung“, den unser Gehirn offensichtlich benötigt und den wir bewusst abrufen können.
Für die Forschung sind nostalgische Gefühle überaus interessant: So kam man in Experimenten an einer amerikanischen Universität zu Ergebnissen, die darauf hindeuten, dass Nostalgie die Kreativität fördert: Die Teilnehmer sollten sich hierbei eine Geschichte ausdenken, die basierend auf einer Erinnerung, die Nostalgie hervorruft. Die Protagonisten waren ebenso wie der Anfang der Geschichte vorgeben: Es sollte eine Prinzessin, eine Katze und ein Rennwagen vorkommen und mit dem Satz beginnen: „An einem kalten Wintermorgen wurden ein Mann und eine Frau durch das Geräusch eines Alarms aus einem nahegelegenen Haus erschreckt.“
Das Ergebnis war, dass all diejenigen, die ein klares nostalgisches Ereignis hervorrufen konnten, wesentlich kreativere, komplexere Ergebnisse erzielten, als diejenigen, die kein nostalgisches Ereignis in Erinnerung gerufen haben.
Die Kreativität fördernde Eigenschaft nostalgischer Erinnerungen liegt daran, dass sie in uns ein Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und Bedeutung, also Sinn hervorruft – ein guter Ausgangspunkt also für kreative Prozesse.
Es zeigt also, dass Nostalgie nicht nur uns Deutschen vorbehalten ist – was im Zuge von Stichworten wie „Ostalgie“ uns ja gerne einmal negativ angehaftet wird. Vielmehr ist Nostalgie als Schutzmantel für unser Gehirn kulturübergreifend relevant. Man könnte sie sogar als eine Sprache der Kulturen begreifen, wenn man so möchte – dabei ist jedes nostalgische Gefühl höchst individuell. Und das – so denken wir – ist doch das Spannende und Wertvolle an nostalgischen Gefühlen.
In diesem Sinne, schwelgen sie doch mal wieder ein wenig in der Vergangenheit …
Ihr Hotel Team

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