Resonanz – die neue Achtsamkeit

Der Jahresanfang steht seit jeher in der Tradition der Neuerfindung des eigenen Ich. Die Suche nach dem besseren, optimierten Ich steht in einem schon fast magischen Zusammenhang zum Jahreswechsel. Das alte Jahr und das alte Ich sind irgendwie verbraucht und müssen dringend einem Make-Over unterzogen werden. Mit dem Rauchen aufzuhören, mehr Sport zu machen, sich gesünder zu ernähren sind dabei fast schon alte Kamellen, die wir seit einigen Jahren gerne durch andere, uns höher erscheinende Ziele ersetzen. Achtsamkeit und Entschleunigung sind dabei zwei Begriffe, die seit einiger Zeit immer mehr zum Objekt unserer Begierde geworden sind. Besonders in unserer viel zitierten schnelllebigen Zeit, die im Zeichen der gesellschaftlichen Steigerungslogik steht, erscheinen uns ein achtsames und entschleunigtes Leben äußerst reizvoll.

Aber was bedeutet Entschleunigung und Achtsamkeit? Dass wir jetzt alles langsamer machen, uns im Meditieren üben oder zum Yoga gehen und so hoffen, dass wir uns finden, damit sich inneres Glück und damit Erfolg einstellen?
Nach Hartmut Rosa, Soziologieprofessor und Autor des Buches „Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung“ ist die Suche nach dem guten Leben von einigen Begriffen begleitet, die vor allem in Selbstverwirklichung münden: Autonomie, Authentizität, Achtsamkeit, Flow. Begriffe, die uns merkwürdig direkt an das Leben eines Kreativen erinnern – zumindest wie es das stereotype Bild suggeriert. Und tatsächlich sei Kreativität, so Rosa, ein Missverständnis, das sich in den letzten Jahrzehnten in der Gesellschaft etabliert habe und als Maß eines glücklichen Lebens gilt. Kreativ sein wird gleichgesetzt mit frei sein. Dieses Missverständnis und die Überlagerung der Kreativität über alle anderen Ziele zieht sich durch sämtliche gesellschaftliche Prozesse: Arbeitsprozesse sollen Kreativität fördern, bis hin zum Arbeiten in selbst gewählter Umgebung, kreative Pausen oder Workshops, in denen wir uns auf neue, kreative Dinge einlassen, sind Auswüchse dieser Kreativitätsverdinglichung wie Rosa sie nennt.

Um nun mit diesem Missverständnis aufzuräumen, schlägt Rosa das Prinzip der Resonanz vor. Die Kernfrage dabei lautet: Worauf kommt es im guten Leben wirklich an? Für Rosa ist klar: Sich in der Welt aufgehoben und nicht in die Welt geworfen fühlen und dazu gehört, etwas zu geben und etwas zurückzubekommen. So wie bei der Stimmgabel, die eine andere Stimmgabel zum Schwingen bringt und dann wiederum zum Schwingen angeregt wird. Diese Schwingung, unseren Draht zur Welt, nennt Rosa Resonanz:

Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung.

Resonanz sei dabei keine esoterische Utopie, sondern empirisch messbar: Hautwiderstand, Pupillen, Atmung verändern sich. Das ist dann der Moment, den wir mit „leuchtenden Augen“ beschreiben. Der Moment, wenn wir uns verbunden fühlen. Das kann ein Gespräch mit einem Freund sein, eine Wanderung, Sport, public-Viewing, ein Theaterstück oder ein Konzert. Resonanzerfahrungen sind damit höchst individuell und daher kann es auch keine der sonst so gerne genommenen und fast schon erwarteten Anleitungen á la „10 Schritte zu mehr Resonanz geben“. Und so bedeutet Resonanz wohl auch, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und anstatt den hundersten Kreativworkshop zu buchen, einfach mal zehn Minuten aus dem Fenster zu schauen und sich zu fragen: Wann schwingt meine Welt?

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein wundervoll resonantes Jahr,

Ihr Hotel-Team

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Beitrag teilen: